Augen zu und träumen..

Ottersberger Kammerorchester zeigte seine große Klasse

Von Ilse Walther

FISCHERHUDE. Das Sommerkonzert des Ottersberger Kammerorchesters am Samstagabend in der Fischerhuder Liebfrauenkirche war sehr gut besucht. Es bereitet großes Vergnügen, diesem engagierten Laienorchester zuzuhören und seine Entwicklung zu verfolgen. Und es hat bei der Bläsergruppe kräftig Zuwachs bekommen.
So stehen dem Dirigenten Clive Ford jetzt zwei Klarinettisten, ein Hornist und ein neuer Fagottist zur Verfügung und das Repertoire konnte kräftig erweitert werden. Clive Ford hatte mit seinen Musikerinnen und Musikern wieder enorm gearbeitet. Ganz auffallend ist dabei die durchdachte Phrasierung und das homogene Spiel besonders der Streicher. Im Verlauf des Konzerts wurde das Orchester als Ganzes immer sicherer und souveräner und steigerte sich zusehends.
Nach Schubert zum Auftakt wurde das bekannte Concerto F-Dur für Sopranblockflöte, Streicher und Basso continuo von Giuseppe Sammartini in auffallend schöner, dichter und transparenter Weise musiziert - energisch, animiert, klangschön und fein abgestuft. Sehr gut war auch die einfühlsame Basso ContinuoBe-gleitung. Catrin Cramme hatte den virtuosen, überaus lebendigen Solopart übernommen und blies ihn mit wunderschönem Ton auf langem Atem. Zauberhaft waren die vielen wie ein Vogel zwitschernden Partien, und besonders dicht und gesanglich die beseelte Klangfärbung des zweiten Satzes. Die Bravorufe waren ebenso berechtigt wie der lange Beifall.
Eine liebevolle Geste war *The angels farewell* von Edward Elgar, ein intensiver ruhiger und melancholischer Quartettsatz, den ein Streichquartett des Orchesters mit Till Eversmeier am ersten Pult im Gedenken an Dieter Guderian musizierte. Dieter Guderian war begeistertes Mitglied des Orchesters und starb im vergangenen Jahr.
Wie sagte Clive Ford in seiner so netten verschmitzten Art vor dem nächsten Werk, dem *Chanson de Nuit", ebenfalls von Edward Elgar: *Da kann man die Augen schließen und träumen." Und das konnte man wirklich bei dieser so intensiven, so subtil musizierten Träumerei für Streicher - ganz großartig. Und in dem stimmungsvollen Klanggespinst *Oh hearing the first cuckoo" von Frederick Delius erreichte das gesamte Orchester solch eine wunderschöne Klangwirkung mit den subtilen Bläserpassagen, die sich immer wieder in die homogenen Streicherfiguren einwebten, dass man gleich weiter träumen konnte. Und der Kuckuck (Klarinette) rief in der Ferne... Ganz reizend und frisch, animiert und fröhlich brachte das Orchester zum Schluss das Finale aus der Sinfonie Nr. 88 von Joseph Haydn, liebevoll mit feinen Akzenten und mit spannenden Temposteigerungen bis zum Finale gesteigert. Große Begeisterung beim Publikum, und Clive Ford kündigte eine Zugabe an: Es winkte die Vuvuzela! Das war natürlich und glücklicherweise ein Spaß; die richtige Zugabe, zündend und temperamentvoll serviert, war aus *Carmen" von George Bizet und große Klasse! Man kann sich schon auf das Wiederhören freuen...