Sommertour durch Konzertsäle
Ottersberger Kammerorchester spielt in Rotenburg und Fischerhude
VON ILSE WALTHER
Thedinghausen-Ottersberg. Das Ottersberger Kammerorchester ist wieder auf seiner Sommertour und begann seine Konzertserie am Wochenende in der Maria-Magdalena-Kirche in Thedinghausen. Wieder hatte Clive Ford ein ansprechendes, abwechslungsreiches und überaus kurzweiliges Programm mit seinen engagierten Musikern erarbeitet und dem Publikum auch Unbekanntes, aber sehr Hörenswertes mitgebracht. Ein unbedingt empfehlenswertes Konzert, das heute ab 20 Uhr in der Stadtkirche Rotenburg und morgen ab 20 Uhr in der Liebfrauenkirche Fischerhude wiederholt wird.
Es macht immer wieder große Freude, dem überwiegend aus Laien bestehenden Ensemble zuzuhören, denn es wird mit viel Freude durchweg sehr professionell, dabei frisch und mitgehend musiziert. So gelang die reizvolle Ouvertüre zum Singspiel "Der Schauspieldirektor" von Wolfgang Amadeus zum sich fein steigernden, transparenten, farbigen Auftakt mit schönen Legatobögen und auch fröhlichen Passagen..
Anton Rolla komponierte im Stil von Mozart und Stamitz. Von ihm hörte man das zauberhafte Konzert für Bassetthorn und Orchester F-Dur, eine echte Rarität. Gert Lueken hatte den Solopart übernommen. Die große Schwester der Klarinette verfügt über einen Vier-Oktaven-Umfang, und das nutzte der Komponist in wunderschönen großen Figuren und Läufen aus, vom Solisten tonschön, warm und fein phrasiert geblasen. Hübsch musizierte Orchestereinleitungen, in die sich die Bläser warm einfügten, dann immer sehr feine Dialoge zwischen Solist und Ensemble..
Mal etwas anderes ist eine Orchesterfassung vom Moment Musical von Franz Schubert. Die gelang dem Orchester mit einer richtigen Portion Humor federnd leicht mit transparenten Streicherpassagen und animierten Bläsereinwürfen. Ganz großartig musizierten die Streicher bei der Peer Gynt Suite Nr. 1 von Edvard Grieg "Ases Tod". Das war meisterlich, in welcher Intensität hier im dichten Pianissimo mit sehr behutsamen Steigerungen gespielt wurde. Unwahrscheinlich tiefgehend und bewegend. Und als Gegensatz dazu dann die Suite Nr. 2 Laura Soave von Ottorino Respighi, bei der Gert Lueken den Cembalopart übernommen hatte. Das war Alte Musik im neuen Gewand, mal bezaubernd leichtfüßig, mal majestätisch schreitend..
Der letzte Programmpunkt war eine beachtliche Aufgabe für dieses Orchester: Der zweite Satz Allegretto aus der Sinfonie Nr. 7 A-Dur von Ludwig van Beethoven. Die Bläser brachten den ersten dunklen Akkord klangschön, die Streicher entwickelten das dunkel schreitende Thema vor dem raschen Teil satt und dicht, und dann war es ein ständiges Wechselspiel Bläser-Streicher in durchdachter Phrasierung, der Schluss fein im Pizzicato und dann ausgespielt..
Für den herzlichen Beifall bedankte sich das Orchester wienerisch fröhlich mit dem toll im Stehen musizierten Radetzky-Marsch, den es mit Witz und viel Spaß servierte.